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Donnerstag, 18. August 2011

Eintrag 6, Total überfordert


So was ist eine echte Achterbahn der Gefühle, ganz abgesehen davon, dass ein Tag nicht vorhersehbar und auch nicht zu planen war. Was am Anfang noch alle paar Tage mal vorkam, steigerte sich soweit bis sich dies fast täglich wiederholte. An schlafen war nicht mehr zu denken, ich war permanent übermüdet und machte mir langsam Sorgen wegen meiner Arbeit.

Irgendwann war ich mit der Situation so überfordert, dass ich eines Tages krank wurde. Ich bekam eine Gürtelrose und dachte, ich kann nun wenigsten ein paar Tage innehalten und mich regenerieren. Vor allem ging es mir auch mal darum zu überlegen, was ich machen könnte um dieses Dilemma aufzulösen.

Denkste, das war ein Grund aber kein Hindernis. Das interessierte sie nun überhaupt nicht, ich hatte während dieser Zeit so gut wie keine Erholungsphase, obwohl ich während dieser Zeit nicht arbeitete.

Mir wurde klar, dass das keine Sache ist die sich in ein paar Tagen legt, obwohl ich immer die Hoffnung hatte, dass wenn die Umstände günstiger wären, sich alles von alleine auflösen würde. Man versucht sich auch selber zu beruhigen um die Sache besser durchstehen zu können.

Trotzdem war einfach alles zu viel auch wenn ich noch jung war und voller Energie wuchs mir das alles über den Kopf und ich suchte verzweifelt nach einem Ausgang.

Das verrückte an der Sache war, sie hatte genug Geld, sie musste nicht arbeiten und konnte sich alles Leisten. Ich wusste nicht wie viel Geld sie hatte, aber es reichte um nicht arbeiten zu müssen, denn sonst hätte sie kaum die Zeit gefunden mich permanent auf Trab zu halten.

Ich hingegen war in Scheidung, hatte Schulden und wusste noch nicht mit was ich die Alimente für meine 2 Kinder und den Unterhalt meiner Frau bezahlen sollte. Außerdem musste ich mir eine Wohnung suchen, da der Vertrag nur befristet war. Daneben machte ich sonst noch kleine Arbeiten, da man mit Taxi fahren nicht reich werden kann.

Nicht dass ich von ihr erwartet hätte, dass sie mich finanziell unterstützt, aber ihr Verhalten mir gegenüber und ihre finanziellen Möglichkeiten waren schon mehr als grenzwertig.

So hat sie mir einmal das Haus gezeigt wo sie einst gewohnt hatte. Zuerst auf Fotos und dann sind wir mit dem Auto hingefahren. Man hat von außen nicht viel gesehen, da es von einer hohen Mauer eingezäunt war. Es war weder abfällig noch sonst irgendwie negativ gemeint, sondern eine einfache Feststellung, dass eben um das Haus eine Mauer war, die ich auch geäußert habe.

Wir fuhren wieder nach Hause ohne im Haus gewesen zu sein und nach bekanntem Muster, nachdem ich sie zu Hause abgesetzt hatte, hielt sie mir einen Vortrag am Telefon, wie undankbar ich sei und was ich “Loser“ für eine Einbildung hätte und das ich mir das gleich abschminken könne mit ihr dort zu wohnen.

Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Wegen einer unbedachten Bemerkung das schlimmere Übel in Kauf nehmen? Wenn man es sich “rein theoretisch“ gemeinsam gemütlich machen könnte, was hat man denn davon, gerade sie, die wegen jeder Kleinigkeit sich selber blockierte?

Gut gegangen wäre es ja ohnehin nicht und von dem Moment an hatte ich auch verstanden, dass ich von ihr keine wirkliche Hilfe erwarten kann. Das war auch von mir nie so erwartet worden. Sicher ist es angenehm sich auf dem Rücken anderer auszuruhen, aber für so was bin ich eben auch nicht der Typ, also hatte ich auch keine Probleme wenigstens damit klar zu kommen.

Das Problem war viel mehr, dass ich sie nicht mehr los wurde. Egal was ich auch unternahm, es führte zu nichts. Am Ende hatte ich nur Ärger, musste mich von ihr bloß stellen lassen und musste natürlich auch “in gewisser Weise“ dafür büssen. Aber es spielte ja mittlerweile keine Rolle, es war so oder so unangenehm, also machte ich mir keinerlei Illusionen wegen gar nichts mehr.

Auch wenn meine Probleme noch vorhanden waren, hatte ich immer weniger Zeit mich ihnen zu widmen. Am Ende muss man sich einfach die Frage stellen, was ist schlimmer? Auf das Problem konzentrieren konnte ich mich ohnehin nicht, da ich zu viele andere Gedanken im Kopf hatte was sie betraf. Es war auch nicht genug Zeit sich zu sammeln, da zu unerwarteter Zeit das Telefon läutete und ich entweder zuhören musste oder sonst irgendwas für sie erledigen musste und ich musste ja auch noch arbeiten.

Ob es mir passte oder nicht, ich übergab ihr auch das Zepter was meine Probleme betraf, so bestimmte sie mehr oder weniger, wann wir welches Problem erledigten, falls überhaupt Zeit vorhanden war.

Ich fragte mich natürlich permanent, wie man so viel Zeit aufwenden konnte, andere Menschen zu beschimpfen, ihnen immer wieder die gleichen Vorhaltungen zu machen und überhaupt, warum musste es immer nach ihrem Kopf gehen. Sie erwartete von mir, dass ich als eigenständiger Mann handle, hielt mich aber im gleichen Atemzug davon ab.

Sie hielt mich schlicht für unreif und unfähig, da sie schon viel mehr Erfahrung hatte, als ich. Ja sie war älter als ich, aber ich wusste nicht genau wie viel älter. Was konnte ich ihr überhaupt glauben? Ich musste wenigstens so tun als ob, was mir schon schwer genug gefallen ist. Heute weiß ich dass sie 20 Jahre älter war als ich. Sie hatte sich bloß um 12 Jahre älter gemacht.

Nicht dass mich das gestört hätte, sie sah noch so jung aus wie ich, es war überhaupt schwer ihr Alter zu schätzen. Sicher war ich unreif und ich hatte auch meinen eigenen sturen Kopf, trotzdem gibt das niemandem das Recht sich so in mein Leben einzumischen.

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