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Mittwoch, 27. Juli 2011

Eintrag 3; Ihr Exfreund

Es ging darum die Wohnung von ihrem Exfreund zu räumen und offensichtlich waren sie nicht mehr in der Lage normal miteinander zu reden. Sie behauptete er sei gewalttätig und er behindere sie wo es nur gehe und er würde ihr nachstellen. Wie schlimm solche Situationen sein können habe ich bisher in dieser Form noch nicht erlebt und konnte mir die Tragweite noch nicht so richtig vorstellen. Ich hatte jedenfalls ich nicht den Eindruck, dass ich etwas zu befürchten hätte.

Sie musste deshalb jedes Vorgehen immer genau abwägen um am wenigsten Komplikationen zu verursachen. Dies bedeutete, dass sie sich immer alles gut überlegen musste und das konnte dauern.
So waren wir einmal Nachts in der Wohnung die halb leer geräumt war und prompt wurden wir beobachtet. Das Auto ihres Exfreundes fuhr langsam die Strasse entlang. Nach einer kurzen Weile war er auch wieder verschwunden, wahrscheinlich hat er bemerkt, dass wir ihn beobachten.

Ich fragte sie natürlich wer er ist, was er tat und wie es zu dieser Trennung kam. Viel Gutes hatte sie nicht über ihn zu berichten, aber was ich so vernahm, war er ein Durchschnittstyp mit geringem Gewaltpotential. Er gehörte in seinen jungen Jahren zwar mal zu einer Rocker Clique, hat sich dann aber doch dem “Mainstream“ angepasst.
Persönlich lernte ich ihn nie kennen, legte auch keine besonderen Wert darauf. So im Nachhinein würde mich allerdings seine Sicht der Dinge schon interessieren. Aber ich kann es mir auch in etwa vorstellen. Man muss ja auch nicht gleich jeden schlafenden Hund wecken.

Sie hingegen legte Wert darauf ihn zu bestrafen, in dem Fall nichts besonderes aber so rief sie auf teure Sexhotlines an um die Telefonrechnung entsprechend zu erhöhen, die er letztendlich bezahlen musste. Sie sah es als Vergeltung für das was er ihr angetan und ihren finanziellen Schaden den sie durch ihn erlitten hat.
Das Ganze war aber nur die Spitze des Eisberges wie es sich später tropfenweise herausstellen sollte, das war schon eine ausgewachsene Katastrophe die sich dahinter verbarg, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht und konnte mir das auch gar nicht vorstellen. Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und kannte so die familiären Probleme die es geben kann und vielleicht auch noch tragische Geschichten aus dem Fernsehen, aber das kann man fast nicht glauben wenn man es nicht selber erlebt hat. Viele Menschen konnten das auch nicht, denen ich versucht habe diese, meine Geschichte zu erzählen. Ganz abgesehen davon, kann man das auch nicht in 10 Minuten oder gar einer Stunden vermitteln, das übersteigt jede Vorstellungskraft.

Auch der Begriff “Stalking“ gab es im deutschen Sprachgebrauch noch nicht und ich wusste lange nicht, wie ich das in einfache Worte fasse was ich erlebt habe. Wenn ich heute diesen Begriff verwende, gibt es doch schon Einige die sich darunter etwas vorstellen können, am ehesten die, welche schon selber Opfer von Stalking geworden sind. Trotzdem ist es damit alleine nicht zu erklären, denn Jeder hat eine eigene dramatische Geschichte und die ist von den eigenen Umständen abhängig.
Es ist auch nicht so, dass Jemand von einer Minute auf die Andere gestalkt wird. Dies ist in den meisten Fällen ein schleichender Prozess, welcher sich über Wochen und Monate entwickeln kann. Die Menschen die das tun tragen auch keine Markierung auf der Stirn, so dass man sie besser erkennen könnte, sondern es sind ganz normale Menschen wie Du und ich, welche mit Kränkungen und Verlassen werden immer wie schlechter umgehen können oder es noch nie konnten. Eine Kränkung kann schon durch bloßes ignorieren erzeugt werden und kann fatale Konsequenzen nach sich ziehen. Da man eigentlich seine Ruhe will, zieht man immer den Kürzeren.

Ein sicheres Zeichen allerdings ist immer eine heftige Reaktion auf Ignoranz, zu spät kommen, oder Beleidigungen. Das sollte das erste Alarmsignal sein. Fremden Gegenüber sind solche Menschen immer sehr besonnen und lassen sich nicht provozieren, sie stellen ihre Sicht der Dinge immer so dar, wie wenn sie völlig unschuldig in diese Situation hineingeraten sind und drehen die Sache immer so um, dass alle Beschuldigungen auf das Opfer zutreffen.
Das führt häufig dazu, dass die Menschen im Umfeld sehr verunsichert sind und meistens dem Stalker glauben. Manche Menschen scheinen richtig darauf zu warten, dass der gute Ruf des Opfers beschädigt wird, damit man endlich selber mal den Dampf ablassen kann den man schon immer ablassen wollte, weil noch irgendwelche “offene Rechnungen“ zu begleichen sind, man einfach Recht haben will, einfach weil man es gerne tut, oder schlicht aus lange gehegtem Neid dem Opfer gegenüber. Es kann auch sein dass man instinktiv eher dem Stalker Recht gibt, da es am Ende das geringere Übel ist, man könnte ja selber dadurch mehr Probleme bekommen als einem lieb ist.

Dies ist ein echter Teufelskreis und da wieder herauszukommen ist eine echte Herausforderung. Es gibt leider keine Zauberformel und auch keine Sieger am Ende dieses Kampfes und ihr Gegner ist nicht nur der Stalker selbst, sondern auch die infizierten und involvierten Menschen des Stalkers und die Beamten, die leider auch nichts für sie tun können und sogar ohne böse Absicht gegen sie arbeiten, da das geltende Rechtssystem keinen Spielraum offen lässt um sie zu schützen. Auch eine Unterlassungsverfügung schützt Sie nicht wirklich vor Stalking. Nur Sie selber können diesen Ausweg finden und versuchen Sie so wenig Öl ins Feuer zu gießen wie möglich, sonst haben Sie am Ende einen ausgewachsenen Flächenbrand den Sie nicht mehr löschen können.

Doch zurück zu meiner Geschichte

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